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Aktuelle Diskussion über Grippeimpfstoff 2017/2018
Aktuelle Diskussion über Grippeimpfstoff 2017/2018

Schon seit Wochen werden die Patienten (und auch wir Ärzte) von Meldungen über die vermeintliche Unwirksamkeit des aktuellen Dreifach-Impfstoffes verunsichert. Jetzt berichten die Medien erneut darüber, dass "nach Expertenmeinung" der von den Krankenkassen bezahlte Impfstoff wahrscheinlich nicht wirksam sei.
Hintergründe:
Im Grippeimpfstoff sind in den letzten Jahren meist zwei Impfstämme von Influenza A und ein Stamm Influenza B enthalten. Auch bei Influenza B gibt es zwei Gruppen mit jeweils mehreren Serotypen. Welche Influenza-Typen für die jährlichen Grippewellen verantwortlich sind, ändert sich durch Anpassungsstrategien der Viren ständig, manchmal sogar innerhalb einer Saison. Untersuchungen in England haben gezeigt, dass es Kreuzimmunisierungen gibt, d.h. Impfstämme gegen eine Gruppe von Influenza B-Viren können in abgeschwächter Form auch einen Impfschutz gegen einen anderen B-Stamm bewirken.
Als Weiterentwicklung ist seit ein paar Jahren neben den traditionellen Dreifach-Impfstoffen auch ein Vierfach-Impfstoff mit einem zusätzlichen Influenza B-Impfstamm zugelassen. Da es bisher keinen ausreichenden Beleg für einen Zusatznutzen gab, bestellen die gesetzlichen Krankenkassen für ihre Versicherten den deutlich preisgünstigeren Dreifach-Impfstoff.
Ob und wie gut die Schutzwirkung eines Grippeimpfstoffes ist, weiß man immer erst, wenn die Saison vorbei ist und alle Daten ausgewertet sind. Die Produktion für die kommende Saison beginnt aber schon im März, sodass in der WHO (die für die Empfehlungen der Impfstoff-Zusammensetzung zuständig ist) derzeit schon heftig diskutiert wird. In der Saison 2016/2017 wurden 95% der Influenza-Fälle in Deutschland durch Influenza A verursacht, im Jahr davor lag hingegen der B-Anteil bei 55%. In der aktuellen Saison ist bei insgesamt durchschnittlichen Erkrankungszahlen der B-Anteil wieder höher, meist wurde der B-Stamm nachgewiesen, der vor zwei Jahren im Influenza-Impfstoff enthalten war (hier ist von einer Rest-Immunität bei 2015/16 geimpften Personen auszugehen), aktuell aber nur im Vierfach-Impfstoff vorhanden ist.
Das Robert-Koch-Institut hat jetzt nach langer Diskussion die Empfehlung veröffentlicht, dass die Impfung gegen Influenza zukünftig mit Vierfach-Impfstoffen erfolgen sollte (Empfehlungen RKI zum Vierfachimpfstoff, s.u.)
Diese Empfehlung bezieht sich auf zukünftige Impfstrategien und wird möglicherweise dazu führen, dass für den kommenden Herbst dieser Impfstoff von den Krankenkassen bestellt wird. Ein Sprecher des RKI betonte auf Anfrage, dass eine Nachimpfung von bereits mit Dreifach-Impfstoff geimpften Personen mit einem Vierfach-Impfstoff nicht (!) empfohlen wird (siehe HAZ vom 16.01.2018 (HAZ vom 16.1.2018, s.u.)

Resümee:

Das RKI hat mit Veröffentlichung vom 11.01.2018 für zukünftige Influenza-Impfungen den Einsatz eines Vierfach-Impfstoffes empfohlen. Ein eindeutiger Vorteil des Vierfach-Impfstoffes ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Ob also diese Empfehlung von den Krankenkassen für die Saison 2018/2019 umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.
Eine Nachimpfung bereits mit Dreifach-Impfstoff geimpfter Patienten wird auch vom RKI nicht empfohlen.

Es darf daran erinnert werden, dass vom Robert-Koch-Institut im Jahre 2009 eine allgemeine Impfung gegen die Schweinegrippe empfohlen wurde. Daraufhin wurden Millionen Impfdosen produziert, die ein Jahr später auf Staatskosten als Sondermüll vernichtet werden mussten, weil das RKI seine diesbezüglichen Empfehlungen revidierte.
Schon oft wurde das RKI wegen seiner Nähe zur Impfstoff-Industrie kritisiert (z.B. WELT.de, SPIEGEL.de, SUEDDEUTSCHE.de, s.u.).
Auch die aktuelle Diskussion lässt den Verdacht zu, dass Kampagnen in den Medien und Interessenkonflikte der Entscheidungsträger das Robert-Koch-Institut zu Entscheidungen drängen, deren Nutzen nicht eindeutig belegt ist und deren Kosten von der Versichertengemeinschaft getragen werden müssen.
Wir empfehlen daher ein abwartendes Verhalten. Sollten die Influenza-Meldungen deutlich über das Durchschnitts-Maß ansteigen (was sie gegenwärtig nicht tun) und der Anteil von Influenza-B-Fällen weiterhin hoch bleiben (was noch nicht absehbar ist, im Januar wurden bisher in Niedersachsen lediglich 5 Influenza B-Fälle nachgewiesen), kann für Risiko-Patienten, die noch nicht geimpft sind, eine Impfung mit Vierfach-Impfstoff als Selbstzahlerleistung diskutiert werden.

Verfolgen Sie dazu die aktuellen Meldungen, auch hier auf unserer Homepage, und sprechen Sie uns zu gegebener Zeit an.
Empfehlungen RKI zum Vierfachimpfstoff
HAZ vom 16.1.2018
Welt.de
Spiegel.de
Sueddeutsche.de
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Aktualisierung: 18.01.2018